Text/Thema: Mt 14,15-21 / 1. Kö 17,10-16 / bring & share
Gehalten von Pastor Markus Bauder
Sharing ist heutzutage nichts Einmaliges oder besonderes, auch wenn wir als Kirche das an der einen oder anderen Stelle vielleicht denken…
Teilen ist modern und nachhaltig, schont das Klima und die Ressourcen. Und das haben inzwischen sehr viele kapiert … Und nicht nur das. Wir Menschen teilen eigentlich schon immer… Heute an der einen Stelle vielleicht mehr als vorher, aber teilen gehört schon immer zu uns. Ich möchte Euch jetzt an den Tischen zum Gespräch anregen übers teilen …
Unterhaltet Euch doch mal miteinander zu folgenden beiden Fragen:
1. Wo teilen wir schon immer und auch gerne?
Beispiele als Anregung: Rezepte – Witze – Freude
2. Wo fällt uns das teilen schwer?
Beispiele als Anregung: Schokolade – Abendmahlskelch – Zahnbürste, Wohnung …
Gesprächsphase 1
Darum geht’s – das ist die Geschichte zum Claim, zu „bring & share – Menschen in Begegnung – Evangelisch-methodistische Kirche
Stell dir vor, es öffnet sich ein Raum. Wo vorher keiner war. Ein Raum der Begegnung. Wo du gesehen bist. Und wir teilen, was uns bewegt. Wir alle sind Gäste an einem Tisch, den nicht wir gedeckt haben. Weil wir Krisen und Nöte und Defizite, nicht nur vom Hörensagen kennen, sondern aus eigenem Erleben. Gerade deshalb: Herzlich willkommen! Kirche sind Menschen. Und Menschen leben von Dingen, die sie sich selbst nicht sagen und geben können. Zuspruch zum Beispiel. Und Liebe. Genauso stellt sich der Gott der Bibel vor. Als Kraft, die Begegnung liebt und sucht: offen, befreiend und verändernd. Auf diese Weise lädt Jesus Menschen ein und teilt so viel mehr als Brot und Wein. Im Vertrauen auf ihn und in der Verbindung mit ihm, sind neue Anfänge möglich. Wieder und wieder und wieder. Diese Hoffnung begleitet uns. Sie ist Zuspruch und Zukunft. Und sie beginnt jetzt. Mit mir & dir.
Bring & Share – Menschen in Begegnung – Evangelisch-methodistische Kirche.
Was ist das Besondere oder Originelle an unserem neuen Claim? Oder könnte es Eurer Meinung nach sein? Welche Ideen kommen Euch zum Claim in Verbindung mit dem Thema „bring & share“
Gesprächsphase 2
Ich möchte jetzt noch in die Bibel schauen und ein paar Aspekte hinzufügen:
Die Jünger haben es auch nicht so mit dem Teilen gehabt. Vielleicht deutet das schon darauf hin, dass das Teilen von Glaubensinhalten gar nicht immer so einfach ist…
Als Bartimäus laut rufend zu Jesus wollte, wollten die Jünger ihren Jesus nicht teilen und haben ihn handfest zurückgewiesen.
Als die Mütter wollten, dass Jesus ihre Kinder segnet, wollten die Jünger ihren Jesus nicht teilen und haben sie zurückgewiesen.
Als Jesus im Garten Gethsemane sein Leid und seine Angst mit seinen Jüngern teilen wollte und sie bat zu wachen und zu beten – haben sie auch nicht geteilt und sind eingeschlafen…
Aber vielleicht geht’s ja auch einfach manchmal nicht. Kommt einer Überforderung gleich …
Wenn plötzlich viele Menschen kommen und wollen, dass wir unseren Glauben mit ihnen teilen.
Oder unsere Nachbargemeinden in finanzielle Nöte kommen und anfragen, ob wir ihnen helfen können.
Meist teilen wir ja gerne aus der Komfortzone heraus. Sprich, wir müssen uns nicht einschränken und auf nichts verzichten.
Was aber, wenn doch? Auf einen Urlaub verzichten? Oder Urlaubstage einsetzen fürs Reich Gottes – die Gemeinde oder andere Menschen?
Sich mit Menschen beschäftigen, die nicht meinesgleichen sind?
Wie weit gehen wir? Wie viel Vertrauen haben wir.
Es gibt in der Bibel eine sehr schöne Geschichte, in der es auch ums Teilen geht, die geht so:
1.Kö 17,10-16 (BasisBibel) – Luigi liest
Da machte sich Elija nach Sarepta auf. Als er an das Stadttor kam, war dort eine Witwe, die Holz auflas. Elija sprach sie an und sagte: »Hol mir doch bitte einen kleinen Krug mit Wasser. Ich möchte etwas trinken.« Als sie wegging, um es zu holen, rief er ihr nach: »Bring mir doch bitte auch ein Stück Brot mit.« Da antwortete sie: »So gewiss der Herr, dein Gott, lebt! Ich habe überhaupt keine Vorräte mehr. Nur noch eine Handvoll Mehl ist im Krug und etwas Öl in der Kanne. Ich wollte gerade ein paar Hölzchen sammeln, wieder heimgehen und etwas aus den Resten backen. Mein Sohn und ich wollten noch einmal etwas essen und danach sterben.« Da sprach Elija: »Fürchte dich nicht! Geh nur und tu, was du gesagt hast. Aber mach zuerst für mich ein kleines Brot und bring es zu mir heraus. Danach kannst du für dich und deinen Sohn etwas backen. Denn so spricht der Herr, der Gott Israels: Der Mehlkrug wird nicht leer werden, und die Ölkanne wird nicht versiegen. Das wird so bleiben bis zu dem Tag, an dem der Herr wieder Regen schenkt und es auf den Ackerboden regnen wird.« Sie ging los und tat, was Elija gesagt hatte. Und tatsächlich hatten sie alle drei zu essen: Elija, die Frau und ihr Sohn, Tag für Tag. Der Mehlkrug wurde nicht leer und die Ölkanne versiegte nicht. So hatte es der Herr durch Elija gesagt.
Eine neutestamentliche Geschichte dazu ist die Geschichte, in der die Jünger nur 5 Brote und 2 Fische haben und am Ende mehr als 5000 Leute satt werden … vergleichbar, aber nicht ganz so existentiell. Aber klar ist in beiden Geschichten. Das, was man hat, ist viel zu wenig zum weiterleben. – Wenn man das mit anderen teilt, dann hat man doch gar nichts mehr, oder?
– Teilen, wenn man fast nichts hat …
Es geht vermutlich gar nicht so sehr darum, wie viel man tatsächlich hat, sondern ob man vertrauen kann.
Ob man Gott vertrauen kann und will … Ob man bereit ist, das, was man hat, einzubringen und Gott zu vertrauen
Auch wenn es wenig ist und man nicht schon zu Beginn sieht, dass es reicht.
Vielleicht geht es auch in der Gemeinde und unserer Gemeindearbeit eher um vertrauen. Loslaufen und teilen. Ein bisschen Öl und Mehl haben wir allemal. Vielleicht auch ein wenig Vertrauen und Zuversicht – denn der, der in diesen biblischen Geschichten zum Teilen auffordert ist Gott, ist Jesus Christus…
Bei beiden Geschichten ist nicht am Anfang viel da, sondern erst in dem Moment, wo das, was man hatte, eingebracht wurde. Erst dann hat sich gezeigt, dass es nicht nur reicht. In beiden Geschichten ist am Ende viel übriggeblieben. Wer hätte gedacht, dass es so viel reicht …
So würde ich gerne immer wieder vertrauen und zum Vertrauen einladen. Dass auch dann, wenn wir nicht so viel Zuversicht und hoffnungsvollen Mut haben, dies ausreicht, um den Korb oder den Krug immer wieder zu füllen.
Wenn wir es einbringen und Gott etwas draus machen lassen …
Ich glaube, dass das auch heute noch so ist und wir diese Erfahrung immer noch machen können und in der Vergangenheit ja auch schon immer wieder gemacht haben.
Es geht nicht nur ums Teilen von viel Reichtum, sondern um Vertrauen, dass das, was man hat, ausreicht und Gott in unserer Mitte mitunter unvorhersehbar das Seine dazutut und heilige Momente und Zeiten entstehen, große Momente der Gotteserfahrung. Das Reich Gottes ist mitten unter uns.
Amen
